Fotomarathon in Berlin #17FMB

Letztes Jahr hatte ich mit Gina meine Fotomarathonpremiere in Hamburg und habe Feuer gefangen. Mit meiner ehemaligen Kollegin Mariëtte aus Holland hatte ich schon in London Spaß am Fotografieren und wann immer wir uns in Oslo trafen, zeigten wir uns gegenseitig Fotos. Wir beschlossen, im Juni in Berlin gemeinsam am Fotomarathon teilzunehmen. Berlin ist immer eine Reise wert und ich liebe solche Trips. In Berlin muss man 12 Fotos in 12 Stunden machen und wir wollten jeder eine eigene Serie einreichen. Wir gönnten uns das Radisson am Dom und buchten Flug bzw. Zug.

Die Hinfahrt am Freitag mit der Bahn war wieder „naja“… Diesmal fluchende Teenager, ein Junggesellenabschied und wieder saß ein Zwerg auf meinem Platz (ich hatte mit Tisch am Fenster reserviert), den ich nicht vertreiben mochte. Selbst Schuld… Ich kam heil in Berlin an und ging erstmal shoppen. Da ich den Kameragurt vergessen hatte, die Schultertasche plötzlich total unpraktisch fand und schon lange mit diesen schwedischen Rucksäcken geliebäugelt hatte, beschloss ich mir einen zuzulegen.

Im Hotel angekommen, breitete ich alle Requisiten aus, um später mit Mariëtte zu besprechen, was wir mitnehmen würden. Dymo und instax Drucker ließ ich im Hotel. Taschenlampen, Ministativ, Strippe, Klammern, Stifte, Taschenmesser, Rettungsdecke und Klebeband nahm ich mit – ausser der Taschenlampe und dem Stativ habe ich nichts davon eingesetzt. Ich hatte mir überlegt, alles durch eine Scheibe mit Tropfen zu fotografieren, aber das erschien mir zu aufwändig. Ein Seil, das durch jedes Bild läuft, mit Anfangs- und Endknoten, wollte ich auch nicht den ganzen Tag auf- und abwickeln. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich diese Idee nicht doch verfolgt habe.

Als Mariëtte ankam, aßen wir zusammen zu Abend – incl. Berliner Weisse mit Schuss – und gingen ins Bett, um am nächsten Tag rechtzeitig fit zu sein.

Der Samstag empfing uns wie angekündigt mit perfektem Wetter. Nach einem schnellen Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Start: der Strandbar im Monbijoupark. Noch vor der Anmeldung ergaben sich die ersten Gespräche. Nach einer kurzen Ansprache gab es den Startschuss, die ersten vier Aufgaben und die Info zum nächsten Treffpunkt. Das übergeordnete Motto war „alles fließt“. Man muss die Aufgaben in der richtigen Reihenfolge abarbeiten, sollte das Oberthema im Kopf behalten und dabei zu einer stimmigen Serie kommen. Am Ende dürfen nur 12 unbearbeitete Fotos auf der Speicherkarte sein. Daher haben wir die Motive und Eindrücke neben der Strecke am Samstag mit dem Handy eingefangen.

  1. Am Anfang war das Wasser – Auf dem ersten Foto muss zusätzlich die Startnummer zu sehen sein und ich beschloss, sie in den nassen Sand zu schreiben.
  2. Aus der Mitte entspringt ein Fluss – spätestens aus der englischen Übersetzung ersah man, dass der Film gemeint war. Am liebsten hätte ich zwei Angler gefunden, aber so wickelte ich den Themenzettel um das Objektiv, war zwar nur halbwegs zufrieden, konnte aber weitermachen. Schon nach dem zweiten Bild wurde mir klar, dass es mit der „stimmigen Serie“ wieder nichts werden würde.
  3. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom – eigentlich suchte ich nach einem Gegensatz oder jemandem, der sich in irgendeiner Form auflehnt. Aber dann entdeckte ich ein Graffiti mit einem Fisch an einem Hochspannungskasten und beschloss, die Sache wörtlich zu nehmen.
  4. Ich will wieder an die Nordsee – für eine Nordfriesin und Ärzte-Fan doppelt passend. Leider fuhren keine Züge direkt nach Sylt, das war meine erste Idee. Mariëtte entdeckte ein Schiff mit Heimathafen Rotterdam, dass wir unterschiedlich ablichteten.

Wir waren immer noch am Spreeufer Höhe Bahnhof Friedrichstraße und beschlossen, dort zu Mittag zu essen und uns ein wenig auszuruhen. Es gab Kölsch und obwohl es noch so früh war, konnte ich nicht widerstehen. Ich merkte aber schnell, dass es gut war, auch etwas dazu zu essen.

Zwischendurch befeuerte ich immer wieder die Story auf Instagram, auch um abends alles zusammen als Film für mich zur Erinnerung herunterladen zu können. Auf WhatsApp das gleiche im Status, den nutze ich sonst nie, aber für heute vielleicht ganz interessant.

Mit der U-Bahn fuhren wir zum Himmelbeet, einem Gemeinschaftsgarten im Leopold-Kiez in Wedding. Hier waren wir etwas zu früh und ich gönnte mir einen Kaffee. Eine tolle Location mitten in der Stadt, alles so aus Holz und Paletten zusammengenagelt, wie ich es liebe. Um Punkt 15 Uhr wurde die Startnummer abgestempelt und wir erhielten die nächsten vier Themen und den nächsten Treffpunkt.

  1. Hinterm Horizont geht’s weiter – die Oberkante des einen Gebäudes mit Anti-Gentrifizierungsparole – ist hier leider auch ein Thema – fand nicht nur ich passend für diese Aufgabe, aber einige haben sich später noch etwas anderes gesucht und sonst ist es eben doppelt.
  2. Purple Rain (in Wedding) – ich wollte Wasser vor einer lila Blume mit dem Mund herausprusten, aber das klappte nicht. Ich versuchte, lila Blüten von unten zu fotografieren, aber von unten sehen sie doof aus. Später fand ich ein lila Regenfallrohr, das damit auch noch perfekt zum Oberthema passte. Ich fotografierte wieder in schwarz-weiß und Farbe parallel und als ich mich abends für schwarz-weiß entschied, machte ich den Fehler, nicht einfach für dieses Bild eine Ausnahme zu machen und es als einzigen Farbtupfer in der Serie zu belassen.
  3. Venus aus der Panke – die Panke ist ein Fluss ein total langweiliger Kanal. Wenn diese Aufgabe mal nicht wieder von einem Liedtext oder Film abgeleitet war… Ich fotografierte den Fluss durch Mariëttes Hände, die ein Herz formten, um auf Venus als Göttin der Liebe anzuspielen.
  4. Badekur – ich fand lange gar nichts, aber Mariëtte schoss für mich das Foto des Tages, als sie einen Adonis mit seinen Freunden fand, der seinen Körper mit Bier einzureiben schien. Genial! Ich entschied mich später für eine Colaflasche im Ufergras, um kritisch auf die Wasserverschmutzung mit Plastikmüll hinzuweisen. Auch ne Badekur… aber wer will dann noch? #manmussnurgutargumentieren.

Wieder hatten wir zwischendurch total nette Gespräche. Da Mariëtte deutsch kann, aber im Moment lieber englisch spricht, war es immer der gleiche Verlauf: man fängt auf deutsch an zu quatschen, was ja nicht unhöflich ist, weil sie alles versteht, irgendwann sagt sie etwas auf englisch und alle antworten auf englisch und bleiben ab dann dabei. Sehr nett und weltoffen finde ich das.

Unter einer Brücke, die zwar für Autos gemacht schien, aber nur für Fussgänger und Radfahrer passierbar war, spürte man schon, dass wir uns dem ehemaligen Mauerverlauf zwischen Wedding und Pankow näherten. Kurz danach passierten wir die markierte Linie. Den Kinderbauernhof Pinke Panke erreichten wir tatsächlich erst gegen 19 Uhr. Hier war unser Zwischenziel für den nächsten Stempel, die letzten vier Themen und das Ziel um 23 Uhr. Da weder das Ziel noch der Weg dorthin Wasser boten, schlug Mariëtte vor, zum Schäfersee zu fahren. Hier fanden wir beide jeweils ein Motiv für die nächsten zwei Aufgaben.

  1. Früher war mehr Meer – ich fotografierte über den Bug eines Ruderbootes auf das andere Ufer des Sees, früher auf dem Meer hätte man nur den Horizont gesehen. Vielleicht kommt ja jemand drauf.
  2. Mein Haus am See – hier fand ich den Mülleimer im Vordergrund einen guten Kontrast zu einem noblen Haus am See. Das gab es in Wirklichkeit gar nicht, der Schäfersee ist umgeben von Mietblöcken, aber es reicht ja, wenn es so aussieht. Mariëtte lichtete ein Wasservogelnest auf dem See ab, auch sehr passend!
  3. Wasser im Wandel – nicht sehr originell ging ich in Gedanken die Aggregatzustände durch und beschloss (nicht als Einzige, wie ich später erfuhr, aber kein Wunder), Eiswürfel beim Schmelzen zu fotografieren.
  4. Was wollen wir trinken, so ein Durst! – in der gleichen Bar (wegen der Eiswürfel und weil Mariëtte Cocktails als Motiv brauchte – zum Glück) entschied ich mich für die prall mit Flaschen gefüllten Regale als Abschlussbild.

Am Ziel, der Willner Brauerei Berlin, einer coolen, herrlich schäbigen Ansammlung alter Gebäude „mit kreativer Zwischennutzung“, in der ich am liebsten ein Fotostudio hätte, brach bei Mariëtte noch kurz Hektik aus. Auch ich wog zwischen Farbe und schwarz-weiß ab, opferte den Purple Rain und löschte alle Farbfotos. Wir gaben beide noch rechtzeitig unsere 12 Fotos unbearbeitet und in der richtigen Reihenfolge ab. Danach verquatschen wir uns noch sehr lustig und inspirierend mit den Jungs von Photoduell und machten uns dann auf den Heimweg. Laut Apple Health haben wir mit 21.600 Schritten 12,2 km zurückgelegt und 12 Stockwerke erklommen. Unsere Füße gaben uns das entsprechende Feedback. Ich brauchte im Hotel noch eine ganze Weile, bis ich mich etwas entspannt hatte (und dabei neugierig Instagram und Co checkte), um dann aber in einen herrlichen Tiefschlaf zu fallen.

Am Sonntag versuchten wir erfolgreich, unser Frühstück gegen die sehr aufdringlichen Spatzen zu verteidigen und machten dann, von leichtem Zeitdruck begleitet, noch etwas Sightseeing. Erst ganz in der Nähe…

Dann fuhren wir zur Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße. Das hatte Mariëtte sich gewünscht und ich hatte diesen Ort schon lange auf meiner Liste. Auch wenn man denkt, man weiß eine ganze Menge, ist es doch immer wieder extrem beklemmend und verstörend, wenn man sich mit dem Thema auseinandersetzt.

Anschließend gönnten wir uns bei Hans im Glück eine Salatpause, um dann Reichstag und Brandenburger Tor abzuklappern. Der von uns angepeilte Bus kam nicht und so marschierten wir zurück zum Hotel am Dom vorbei und holten unser Gepäck.

Dann verabschiedeten wir uns Richtung Flughafen Berlin Brandenburg Tegel und Hauptbahnhof und waren uns einig, dass wir uns ein in allen Belangen sehr gelungenes Wochenende gegönnt hatten. Nächstes Jahr planen wir, am Fotomarathon in Amsterdam teilzunehmen. Ich würde mich riesig freuen, wenn das klappt.

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